Viva Las Vegas

28 Sep
1998

Post aus 1998

Stadt der Superlative und Gegensätze. Faszinierende Metropole mitten in der Wüste Nevadas, die sich immer wieder selbst übertrifft. Für ihre Beschreibung lassen sich unzählige Attribute finden. Bei der Ankunft und beim Eintauchen in die Glitzerwelt Las Vegas fühlt sich alles irgendwie unwirklich, künstlich an. Ein Ort, der die Wirklichkeit für die Zeit des Aufenthaltes vorübergehend ausklammert. Irgendwann wird einem aber zwangsläufig bewusst, wie verschwenderisch hier mit Ressourcen umgegangen wird.  In den 90er Jahren bin ich etliche Male dort gewesen und konnte quasi zusehen, wie sich am Strip immer mehr riesige außergewöhnliche Hotels ansiedelten. Die Welt in einer Stadt – Luxor, Ceasars Palace, Paris, New York New York, Venetian, Monte Carlo. Neben ihren Casinos und Shows boten sie schon damals einmalige Architektur und ungewöhnliche Attraktionen. Während im New York New York eine Achterbahn für Aufregung sorgt, kann man sich im Venetian von Gondolieres durch die Kanäle fahren lassen. Und in den Forum Shops im Ceasars Palace suggerierte ein künstlicher Himmel bereits damals ständig wechselnde Tageszeiten. In den großen Casinos halten sich die Spielfreudigen stundenlang in mäßiger Beleuchtung ohne jegliches Tageslicht bei für Europäern antarktisähnlich empfundenen Temperaturen auf. Wer also beabsichtigt, sich  in Las Vegas nicht nur an der frischen Luft zu bewegen, sollte trotz der im Jahresdurchschnitt recht hohen Temperaturen immer ein wärmendes Kleidungsstück im Gepäck haben!

Langeweile und Las Vegas – passt nicht!

Abgesehen von den vielen Attraktionen, die Las Vegas bietet, ist die Wüstenstadt auch idealer Ausgangspunkt für Ausflüge in die nahegelegenen Nationalparks wie Grand Canyon, Brice Canyon, Death Valley und Zion National Park. Deshalb war es auch nie langweilig, selbst beim fünften Wochenstop nicht. Glücklicherweise habe ich immer Gleichgesinnte in der Crew gefunden, die mit mir auf Entdeckungstour gegangen sind. Mein letzter „dienstlicher“ Aufenthalt war im Januar 1998 und seit dem hatte ich immer im Kopf, unbedingt an diesen Ort zurückzukehren zu wollen. Fast 16 Jahre musste ich darauf warten!

2013

Post aus 2013

Weihnachten in Las Vegas – passt!

Einen Tag vor Weihnachten 2013 ist es soweit. Leider haben wir keinen Non-Stop-Flug, der immerhin auch knapp 11 Stunden dauert, buchen können und müssen den Umweg über Miami in Kauf nehmen. Eine Erfahrung, die ich nicht noch einmal machen möchte. Nicht auf einem meiner zahlreichen Nacht- und Langstreckenflüge bin ich so kaputt gewesen, wie nach dieser Odyssee! Zu der unverhältnismäßig langen Anreise kommt ja noch die Zeitverschiebung von acht Stunden! Die gemütlichen großen Queen-Size-Betten in unserem schicken Zimmer im ARIA versöhnen uns ein wenig und wir können zumindest ein paar Stunden schlafen. Aber um vier Uhr morgens sind wir hellwach. Voller Begeisterung nehmen wir erst einmal den gigantischen Zimmerausblick wahr.

Zimmerausblick

Zimmerausblick

Wir sind im 29. von 61 Stockwerken und blicken auf die Rückseite des Strips Richtung Westen. Die Lichter deuten an, auf welche Fläche sich die Stadt ausgebreitet hat. Am Horizont heben sich in der Dämmerung die Ausläufer der Canyons ab. Bei Sonnenaufgang sind wir startklar und die ersten Gäste im Frühstückscafé. Wer schon einmal in Las Vegas gewesen ist weiß, dass in den Casinohotels grundsätzlich alle Wege durch die blinkenden und klingelnden Spielhallen führen. Hier hängen auch in den frühen Morgenstunden einige Gäste herum, die noch nicht aufgegeben haben und auf den großen Gewinn an einem der Roulettetische oder am einarmigen Banditen hoffen. Auch ich würde mein Glück ja gerne mal versuchen, aber meine Familie hält mich erfolgreich davon ab.

Weltberühmter Strip

Nach der ersten Stärkung mit Kaffee und Bagels beginnen wir unsere Entdeckertour durch Downtown. In den frühen Morgenstunden sind kaum Menschen unterwegs, die Geschäfte haben noch geschlossen und wir können uns in Ruhe umschauen. Um den Strip abzulaufen, benötigt man schon ganz schön viel Ausdauer und später auch Geduld, wenn die Stadt erwacht ist und Tausende von Touristen die Straßen übervölkern. Das einzige Mal, woran ich mich erinnern kann, in Las Vegas einen derartigen Menschenauflauf erlebt zu haben, war 1996, als der Träger der Olympiafackel die Stadt durchlief. Heute liegt die Besucherzahl bei circa 40 Millionen im Jahr, was eine unfassbare Zahl, angesichts der etwa 140.000 bereitstehenden Betten aber nachvollziehbar ist. Wir jedenfalls genießen die Ruhe an diesem Morgen des Heiligen Abends, der sich für uns gar nicht so anfühlt, auch wenn überall glitzernde Weihnachtsbäume und ausgefallene Deko die Hotelhallen und Malls schmücken.

The Forum Shops

The Forum Shops

Die erwähnten Forum Shops im Ceasars Palace wurden in den letzten Jahren erweitert und es sind noch mehr Luxusläden exklusiver Designer hinzugekommen. Aber auch ein riesiger H&M-Store befindet sich in der Mall und lädt mit seiner futuristischen Innenarchitektur zum Bummeln ein. Hier in Vegas ist einfach alles außergewöhnlich! Die Fashion Show Mall erreichen wir zu dem Zeitpunkt, als sie gerade ihre Pforten öffnet und unser Teenager verschwindet erst mal in den dunklen Höhlen von Abercrombie. Endlich ist meine Tochter in ihrem Element und kann sich auf das besinnen, worauf sie sich am meisten gefreut hat: Shoppen!

Der Strip

Sie ist dann auch die einzige von uns, die die Mall mit mehreren Einkaufstüten verlässt und endlich über beide Backen strahlt, weil sie ordentlich Beute gemacht hat. Vorher konnten wir sie weder zu Madame Tussod noch in die Secret Gardens des legänderen Zauberduos Siegfried und Roy locken, was kurzeitig für schlechte Stimmung sorgte. Nun ist alles wieder gut und müde schlendern wir zurück zum ARIA. Für heute haben wir genug erlebt und wollen uns nun fürs Weihnachtsdinner fertigmachen. Bereits von Deutschland aus habe ich vorsichtshalber einen Tisch in einem der unterschiedlichen Restaurants des Hotels reserviert. Die thailändische Küche im Lemon Grass hat zwar so gar nichts mit traditioneller weihnachtlicher Kost zu tun, schmeckt aber vorzüglich. Letztendlich wussten wir ja bereits vorher, dass dieses Jahr das Fest etwas reduziert ausfällt.

Grand Canyon

Der frühe Pickup am nächsten Morgen für unseren Flug über den Grand Canyon kommt unserem noch vorhandenem Jetlag sehr entgegen. In der Dunkelheit fahren wir Richtung Boulder City, wo sich der zweite, kleinere Flughafen von Las Vegas befindet. Von dort werden Rundflüge mit kleinen Maschinen und Helikoptern angeboten. Früher habe ich mehrfach versucht standby spontan einen freien Platz zu ergattern – für uns Airliner waren die Tickets hierfür spottbillig. Deshalb hat es wohl auch nie geklappt, es gab immer genügend Vollzahler…Umso schöner, dass ich dieses Erlebnis nun mit meiner Familie gemeinsam teilen darf.

Boulder City Municipal Airport

Boulder City Municipal Airport

Aus der Luft wirken der Hooverdam, Lake Mead und der Canyon noch faszinierender.  Der piepjunge Captain schaltet nach dem Takeoff den Autopilot ein, widmet sich dann seinem iPad und wir erfahren alles Wissenswerte von der Tonbandstimme über Kopfhörer. Die aufgehende Sonne taucht die Landschaft während unseres circa einstündigen Fluges in ein zunächst kühles und diesiges, aber dann zunehmend wärmeres, leuchtendes Licht.

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Der Grand Canyon

Leider verfliegt die Zeit im wahrsten Sinne des Wortes viel zu schnell und wir setzen wieder zur Landung an. Da heute der erste Weihnachtstag ist, den die Amerikaner zelebrieren, wie wir in Deutschland den Heiligabend, sind sogar in Las Vegas die Läden geschlossen. Aber nicht alle. Die Outlet Mall im Norden der City hat doch tatsächlich geöffnet und wir nehmen uns ein Taxi dort hin. Insgesamt ist dieses Center allerdings enttäuschend und nach knapp zwei Stunden haben wir keine Lust mehr.  Wir nutzen die Zeit und schauen uns noch ein paar Hotels, unter anderem auch den Stratosphere Tower – das höchste Gebäude in Vegas – an. Unfassbar, dass ich mich hier vor 15 Jahren mit dem Big Shot in die Luft hab schießen lassen!

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Der 26. Dezember hingegen ist in den USA der sogenannte „Boxing Day“ = Großkampftag in den Shoppingmalls. Erstaunlicherweise ist in den Town Square Shops am südlichen Ortsausgang hiervon nichts zu spüren und wir bummeln gemütlich durch die wie eine Kleinstadt angelegte Anlage, die ebenso wie das Outlet im Norden den Vorteil hat, dass man sich nicht in einem geschlossenen Komplex befindet, sondern unter freiem Himmel. Unsere Shoppinglust ist dann aber erst einmal gestillt und die letzten Tagesstunden verbringen wir am Pool unseres Hotels. Bei fast 20 Grad und strahlendem Sonnenschein zwar nicht das perfekte Badewetter, aber in einem wunderschönen Gartenambiente herrlich zum Entspannen. An unserem letzten Abend in der Glitzerstadt gönnen wir uns ein beeindruckendes Dinner beim Japaner Tetsu im ARIA.  Ein Koch zaubert für uns auf dem Teppan Grill lauter kleine Köstlichkeiten. Anschließend besuchen wir noch eine der vielen Shows des Cirque du Soleil. Zarkana begeistert mich allerdings nicht so sehr wie damals Mystere, die immer noch im Treasure Island präsentiert wird. Dennoch ist es ein würdiger Abschluss unseres Aufenthaltes. Am nächsten Morgen beginnt der zweite Teil unserer Reise, die im Übrigen unser Honeymoon ist. Wir fliegen zurück nach Miami, um noch eine Woche die Sonne Floridas in Naples zu genießen. Leider schafft sie es nicht von Las Vegas mit in den Sunshine State. Der Rest der Flitterwochen wird von Wolken und Regen dominiert und mein frisch gebackener Ehemann (nein, wir haben NICHT in Las Vegas geheiratet) verbringt erstmal mehrere Tage mit einer Grippe im Bett.

Galerie

  • Andrea

    Ein Augenschmaus zur guten Nacht. Danke!