Verliebt in New York

26 Jan
Das erste Mal, als ich in New York war, habe ich geheiratet. Beim zweiten Mal war ich verliebt. In den fast 18 Jahren dazwischen hat sich viel verändert. In meinem Leben und auch im Big Apple. Der Mann an meiner Seite ist ein anderer und die Stadt ist nicht mehr dieselbe seit 9/11.
Paradies für jede Shopping-Queen

In diesem Winter verwirkliche ich einen lang gehegten Traum – Christmas-Shopping in New York. Denn hier manifestiert sich der Inbegriff amerikanischer  Weihnachtstraditionen: glitzernde, haushohe Weihnachtsbäume, belebte Schlittschuhbahnen mitten in der City, auffällig geschmückte Schaufenster, blinkende Fassaden und „Jingle Bells“ aus allen Lautsprechern. Das wissen wir schließlich aus etlichen Spielfilmen. Und natürlich gehören auch Kälte und Schnee dazu – normalerweise und Made in Hollywood sowieso.

Der Klassiker: Weihnachtsbaum am Rockefeller Center.

Alle paar Minuten erklingt die weihnachtliche Musik und die Lichtshow erleuchtet die 5th Avenue.

Doch unser Leben verläuft nicht nach Drehbuch und so erleben wir klimamäßig eher Ostertage in einem der wärmsten Winter der USA.

An unserem zweiten Hochzeitstag starten wir in Düsseldorf unsere einwöchige Reise in die aufregendste Metropole der Welt. Lufthansa-Flug LH 408 bringt uns in nur sieben Stunden nach Newark. Begleitet von einer ehemaligen Condor-Kollegin, die uns zur Feier des Tages mit Honeymoon-Champagner aus der First Class verwöhnt.

Tipp: Die XL-Sitze in Reihe 27 sind direkt hinter der Premium Economy vor der Trennwand zur Eco, bieten aber noch mehr Beinfreiheit. Wer A340 oder A330 fliegt, ist gut mit diesen Plätzen beraten, wenn mehr Platz gewünscht ist, aber auf den etwas besseren Service der höheren Klasse verzichtet werden kann. 

Die Einreise am Airport Newark geht ungewohnt schnell und unkompliziert. Nichts los an den Schaltern – ganz anders, als vor zwei Jahren in Miami, wo wir gefühlte Stunden warten mussten, um einreisen zu können.

Auch die Frage nach dem Transfer in unserer Hotel im Financial District Manhattan erledigt sich ziemlich schnell.  Gemeinsam mit zwei jungen Pärchen mit demselben Ziel informieren wir uns und nehmen zunächst den Airtrain zum Bahnhof des Flughafens, steigen dort in einen AMTRAK-Zug, der uns zur New Jersey Penn Station bringt (pro Person 8,50 $). Von dort fährt eine U-Bahn (2,75 $) direkt bis zur nagelneuen Station am WTC  (World Trade Center).

Dort angekommen sind wir in der Dunkelheit erst etwas orientierungslos, fragen einen Bauarbeiter nach dem Weg zur Washington Street und sind in wenigen Minuten am Holiday Inn. Meine Bitte nach einem höhergelegenen Stockwerk wird erhört und wir bekommen ein Zimmer im 36. Stock mit akzeptablem Ausblick.

Auch aus dem 36. Stock schaut man noch gegen die Fassaden der Wolkenkratzer.

Auch aus dem 36. Stock schaut man gegen die Fassaden der Wolkenkratzer. Links der East River und Brooklyn.

9/11 Memorial – A place of remembrance

New York City ist atemberaubend, wunderschön, lebendig, einzigartig. Und ich könnte noch mehr Superlative aufzählen.  Aber die Weltmetropole hat uns auch überrascht. Die Art und Weise, mit der diese Stadt und ihre Bewohner das schicksalhafte Ereignis vom 9. September 2001 verarbeitet haben, ist ebenso bewundernswert wie berührend. Der würdevolle Umgang mit dem Andenken der Opfer hat unsere Sicht auf die Amerikaner verändert.

Der Eingangspavillon des Museums. Seine Architektur erinnert an einen eingestürzten Turm.

Der Eingangspavillon des Museums. Seine Architektur erinnert an einen eingestürzten Turm.

Unser Hotel ist tatsächlich nur ein paar Minuten fußläufig von der Area rund um das neue WTC entfernt. Gleich am ersten Tag möchten wir in das 2011 eröffnete National September 11 Memorial Museum, doch scheitert das Vorhaben an der Kasse, weil wir unsere New York Pässe noch nicht haben und hier auch nicht erhalten werden. Also entscheiden wir uns, an einem der darauf folgenden Tage gleich um 9 Uhr morgens die Gedenkstätte zu besuchen. Eine gute Idee, denn so früh sind noch nicht viele Touristen unterwegs. Bereits die genau auf den Grundflächen der ehemaligen Twin Towers platzierten Reflexionsbecken erzeugen eine Gänsehaut. Mit dem Bewusstsein, dass an dieser Stelle die Türme standen, bei deren Zerstörung so viele Menschen ums Leben kamen, schauen wir auf das herabfließende Wasser und lesen einige der 2.983 Namen, die in die Bronzeplatten eingraviert wurden.

Das Reflexionsbecken an der Stelle des ehemaligen Südturms.

Das Reflexionsbecken an der Stelle des ehemaligen Südturms.

Es sind die Namen aller Opfer der Attentate vom 11. September 2001 und 26. Februar 1993. Hin und wieder ziert eine weiße Rosenblüte die Inschriften. Später erfahren wir, dass sie als eine liebevolle Geste am Geburtstag der Verstorbenen dort hinterlassen werden.

Die Blüte einer weißen Rose zur Erinnerung am Geburtstags einer Verstorbenen.

Die Blüte einer weißen Rose zur Erinnerung am Geburtstags einer Verstorbenen.

Im Museum selbst hat man viel Raum geschaffen, um die Erinnerung an die Menschen aufrechtzuerhalten. In einer kleinen separaten Gedenkhalle hört man über Lautsprecher Angehörige und Freunde sprechen,  während Bilder und Informationen zu den Personen auf eine Wand projiziert werden. Eine Galerie zeigt Portraits und über jede Person ist die Vita digital an Bildschirmen abrufbar. Dies und die gesamte Ausstellung im Museum, die neben der Erinnerung das gesamte Geschehen dokumentiert, haben überhaupt nichts Voyeuristisches, obwohl man so ziemlich alles zusammengetragen hat, was mit den Attentaten in Verbindung steht. Verkohlte Visitenkarten, völlig eingestaubte Kleidungsstücke, Rucksäcke und sonstige persönliche Gegenstände haben ihren Platz ebenso wie zerstörte Feuerwehrwagen, Fahrstuhlmotoren und Trümmerteile der Flugzeuge.

Die beiden fast 20 Meter hohen Stahlträger ragen bis an die Decke der Eingangshalle und erzeugen ein bereits hier ein beklemmendes Gefühl, das sich in den unterirdischen Gemäuern des Museums weiter fortsetzt.

Wie überdimensionale rostige Gabeln wirken die beiden Original-Stahlträger des Nordturms, die mit mit fast 20 Metern bis an die Decke der Eingangshalle ragen. Diese Mahnmale erzeugen bereits hier ein beklemmendes Gefühl, das sich in den unterirdischen Gemäuern des Museums weiter fortsetzt.

Die quadratischen Kacheln symbolisieren die Farben des Himmels an jenem Septembermorgen - eine für jedes Opfer. Sie sind handgemalt, in unterschiedlichen Schattierungen.

Die quadratischen Kacheln symbolisieren die Farben des Himmels an jenem Septembermorgen – eine für jedes Opfer. Sie sind handgemalt, in unterschiedlichen Schattierungen.

Rechts die original erhaltene "slurry wall" (Schlitzwand) des damaligen WTC.

Rechts die original erhaltene „slurry wall“ (Schlitzwand) des damaligen WTC. Der letzte bei den Aufräumarbeiten aufgefundene Stahlträger ist mit Nachrichten und Hinterlassenschaften von Arbeitern, Ersthelfern und Angehörigen geschmückt.

Die beiden Ausstellungshallen sind genau unter den Reflexionsbecken. Die eine erzählt die Geschichte von 9/11 (historical exhibition), die andere gedenkt der Opfer (memory exhibition).

Die beiden Ausstellungshallen sind genau unter den Reflexionsbecken. Die eine erzählt die Geschichte von 9/11 (historical exhibition), die andere gedenkt der Opfer (memory exhibition).

Knapp drei Stunden verbringen wir im Museum, das zugleich ein Ort der Trauer wie der Hoffnung ist und uns auf eine Zeitreise mitgenommen hat. Die Terroranschläge vom 9. September 2001 haben nichts von ihrem Schrecken verloren; niemals zuvor habe ich ein Ereignis, bei dem ich selbst nicht dabei war, so intensiv gespürt. Die Amerikaner haben einen Weg gefunden, mit ihrem Trauma zu leben und demonstrieren dies mit dem Neuaufbau des WTC und ihrem Platz der Erinnerung sehr eindrucksvoll.

One World Trade Center
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Wolkenkratzer oder Himmelsstürmer? Der Turm scheint unendlich in den Himmel zu reichen, wenn man von unten hinauf blickt.

Majestätisch ragt das neue Wahrzeichen New Yorks in den stahlblauen Himmel. Mit 541 Metern ist es das höchste Gebäude der USA, weltweit immerhin das vierthöchste. Aber erst aus der Entfernung realisiert man die enorme Höhe – z. B. bei einem Bootsausflug. Die Aussichtsplattform, die vor einigen Monaten eröffnet wurde, befindet sich auf der 100. und 102. Etage. Ein Fahrstuhl bringt uns in Windeseile hinauf – und wie erwartet, hat man hier eine grandiose Rundum-Aussicht! Mehr darf man gar nicht verraten, denn wer selbst einmal dort ist, sollte sich das spektakuläre Ereignis, das einige Überraschungen vorhält, nicht entgehen lassen. Die 30 Dollar, die wir pro Person investieren mussten, weil der Eintritt noch nicht im Pass enthalten ist, sind es auf jeden Fall wert!

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Die höchste Etage befindet sich auf knapp 407 Metern, bis zur Antennenspitze misst das 1 WTC 541,3 Meter und ist damit das höchste Gebäude der USA.

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Skyline der südlichen Spitze Manhattans mit dem neuen 1 WTC. Der Baukrank im Bild demonstriert, dass das Areal noch nicht fertig ist.

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Besonders schön ist die Stadt von oben, wenn die Dämmerung hereinbricht und langsam die Lichter aufblitzen.

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Richtung Südwesten reicht der Blick über weit über New Jersey.

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Bei Sonnenuntergang halten sich normalerweise besonders viele Besucher auf der Plattform auf. Wir haben Glück und ergattern immer wieder einen freien Platz an den Panoramascheiben.

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Die nächsten Highlights folgen bald…denn es gibt noch so viel zu erzählen…