Timmelsjoch statt Teneriffa

27 Jun

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Zugegeben, es gab schon den ein oder anderen Moment während unserer gerade beendeten Tour durch die Berge, in dem ich mir für einen kurzen Augenblick eine bequeme Strandliege herbeisehnte, um meinen strapazierten Körper ein wenig auszuruhen. Denn selbst auf unserer neuen Reisemaschine, auf der man im Grunde wie auf einem gemütlichen Sofa sitzt, stellen sich irgendwann nach mehreren Stunden Fahrt Ermüdungserscheinungen ein. Doch trotz aller physischen Anstrengungen würde ich immer wieder eine Motorradreise einem Strandurlaub vorziehen. In vier Tagen durch die Alpen erleben wir definitiv mehr,  als in zwei Wochen Pauschalurlaub auf Teneriffa.

Annäherung durch den Schwarzwald

Wir starten am Mittwoch Richtung Baden Württemberg – über die Autobahn, damit es schnell geht, sehen wollen wir ja heute noch nichts. Natürlich ist sie um die Nachmittagszeit verstopft. Ein langes Wochenende steht an und neben dem Berufsverkehr gibt es wohl auch zahlreiche Kurzurlauber, die in den Süden wollen. Die A 61 ist dennoch die richtige Wahl, um an unser Ziel nahe Karlsruhe zu gelangen. An der Raststätte Moselblick pausieren wir. Zum einen brauchen wir den Stop, zum anderen bietet dieser Parkplatz eine fantastische Aussicht auf das Moseltal. Weil WM ist, gewährt man uns im Restaurant sogar einen Blick auf das Spiel Holland gegen Australien.

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Das Moseltal

Bei Abpfiff der ersten Halbzeit setzen wir unsere Fahrt fort.  Ohne weitere Staus erreichen wir die nördlichen Ausläufer des Schwarzwaldes. Unsere Übernachtung haben wir bereits von zu Hause aus gebucht. Das Hotel Maxis liegt mitten in einem Industriegebiet von Carlsbad und bietet uns einen idealen Ausgangspunkt für unsere erste Etappe  nach Freiburg. Der Check-In über das am Eingang installierte automatisierte Portal ist kinderleicht, das Zimmer ebenso modern wie geräumig und das  Frühstücksbuffet im stylischen Café ist  liebevoll hergerichtet.  Hier werden wir sehr freundlich bedient und wir erfahren, dass hier überwiegend Geschäftsreisende übernachten, aber auch zunehmend Motorradfahrer zu den Gästen zählen.

Freiburg ist das erste Ziel, das wir am nächsten Tag ansteuern. Das Wetter meint es gut mit uns – es ist sonnig und warm. Aufgrund der Vorhersagen für unsere Reiseroute haben wir dieses Mal unsere wasserdichte Bekleidung  daheim gelassen und sind froh, mit den Lederjacken die richtige Wahl getroffen zu haben.

 

Kaffeepause im Schwarzwald

Kaffeepause im Schwarzwald

Freiburg im Breisgau

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Manchmal findet man leider auf die Schnelle keine besonders schöne Karte…tatsächlich ist diese farbig noch hässlicher.

Besonders lebhaft wirkt Freiburg an diesem Feiertag bei unserer Ankunft in der Mittagszeit leider nicht. Auf dem Münsterplatz, auf dem wochentags normalerweise der Markt anzutreffen ist und der neben dem Münster auch noch das historische Kaufhaus sowie die Alte Wache als Sehenswürdigkeit aufzuweisen hat,  sind lediglich die Außenplätze der Restaurants recht gut besucht. Dass man hier auf Touristen eingestellt ist, macht sich sowohl an den Preisen als auch an der gereizten Stimmung des Servicepersonals bemerkbar. Vielleicht haben wir aber auch einfach nicht die richtige Wahl getroffen, als wir gleich im ersten Lokal Platz genommen haben…Jedenfalls ist das Spargelmenü nicht wirklich überzeugend.

Münsterplatz in Freiburg

Münsterplatz in Freiburg

Mehr Sightseeing ist heute nicht drin. Unser Hotel in Luzern ist schon gebucht und bis dahin haben wir noch einige Kilometer vor uns.  Außerdem ist ein Abstecher auf den Freiburger Hausberg Schauinsland geplant. Doch bei der Anfahrt müssen wir feststellen, dass die serpentinenreiche Strecke hoch zur Bergstation ausgerechnet an Sonn- und Feiertagen für Motorräder gesperrt ist.  Unsere Enttäuschung hierüber schwindet jedoch schnell. Spontan halten wir einen einheimischen Harley-Fahrer an, der uns ein Alternativ-Programm vorschlägt und sogar bereit ist, uns eine Weile zu begleiten. Die Strecke über die alte Landstraße zum von ihm angepriesenen „Hochblauen“ erweist sich als wunderschön und die Aussicht von dort auf immerhin 1.165 Meter ist wie versprochen grandios. Sie reicht über  den Schwarzwald mit der kahlen Kuppe des Belchen, auf die Vogesen mit dem Großen Belchen, den Schweizer Jura und die Alpen. Wieder einmal zeigt sich, dass die unerwarteten Erlebnisse die schönsten sind und wir auf unseren Reisen immer wieder wahnsinnig freundliche, hilfsbereite Menschen kennenlernen. 

Grandiose Aussicht auf dem Hochblauen

Grandiose Aussicht auf dem Hochblauen

Wegweiser

Wegweiser

Luzern und Vierwaldstättersee

Weniger freundlich auf dem Weg Richtung Luzern, unserem zweiten Ziel für heute, ist das Wetter. Am Horizont kündigen dunkle Wolken ein Gewitter an. Nach dem schrecklichen Unwetter in NRW am Pfingstmontag, schießen mir sofort ängstliche Gedanken durch den Kopf. Außerdem verspüre ich eine bisher bei unseren Touren noch nie da gewesene  Müdigkeit, die sich durch unentwegtes Gähnen und schwere Beine bemerkbar macht. Mittlerweile haben wir bereits die Grenze zur Schweiz passiert. Was für ein Zufall, dass wir bei Kützingen ausgerechnet auf einen Harley-Händler stoßen, bei dem wir uns eine lange Pause gönnen. Nach einem Kaffee und reichlich Wasserzufuhr geht es mir besser und wir können unsere Fahrt fortsetzen. Tatsächlich setzt noch Regen ein, kurz bevor wir Luzern erreichen. Trotz Navy haben wir zunächst Schwierigkeiten unsere Unterkunft zu finden und müssen uns durchfragen. Das Hotel Krone befindet sich in der Altstadt, die durch den Fluss Reuss von der Neustadt getrennt wird und verkehrsfrei ist (was wir natürlich nicht wissen) und die Zufahrt über die viel befahrene Seebrücke ist eigentlich nicht die richtige…Aber der Herr vom Verkehrsverein schickt uns trotzdem durch die Gassen Richtung Weinmarkt. Das Haus blickt auf eine lange Geschichte zurück, wurde bereits im Jahr 1398 in seiner ersten Form erbaut und beherbergt seit 1854 den Hotelbetrieb, der um die Appartements im gegenüberliegenden Zunfthaus zur Metzgern erweitert wurde. Wenn man bedenkt, dass gute Hotelzimmer in der Schweiz zumeist unverhältnismäßig teuer sind, kann man hier von einem akzeptablen Preis-Leistungsverhältnis sprechen.

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leider nur vorübergehender Parkplatz…

Auf der Suche nach einem netten Restaurant gibts ein Blitz-Sightseeing. Einmal über das Wahrzeichen Luzerns wandern und am anderen Ufer den Blick auf die Altstadt und den See werfen. Die Kapellbrücke sieht nicht nur aus wie aus dem Mittelalter, sie wurde tatsächlich in der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts errichtet. Die später eingefügten Bildtafeln stellen Szenen der Schweizer- und der Luzerner Stadtgeschichte sowie Biografien der Stadtpatrone dar.  

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Luzern – Pilatus

Spontan entscheiden wir uns für das Restaurant NiX In der Laterne auf der anderen Seite des Flusses. Eine sehr gute Wahl, sowohl Flammkuchen als auch die Waffeln zum Desert sind köstlich und auch der Grüne Veltiner schmeckt hervorragend. Nebenbei planen wir den nächsten Tag. Ich muss ein wenig Überzeugungsarbeit leisten, um meinen Wunsch für einen kleinen Abstecher erfüllt zu bekommen. Da wir für unsere Tour gegenüber ursprünglicher Pläne nur vier Tage zur Verfügung haben, ist eigentlich für Abweichungen von der Route kein Spielraum.  Dennoch siegt mein weiblicher Charme und wir fahren morgens früh nach Alpnachstadt.  Hier befindet sich der Bahnhof der Pilatus Bahn, die seit 125 Jahren Passagiere auf den knapp 2.100 Meter hohen Hausberg Luzerns befördert. Das kann man natürlich mit einer Seilbahn auch haben, ist aber nur halb so spannend, denn die Pilatus Bahn ist als älteste Zahnradbahn der Welt auch die mit der größten Steigung. Mit bis zu 48 Prozent Schräglage rattern die Wagons dem Gipfel empor. Dennoch gerate ich kurz ins Schwanken, ob ich wirklich da rauf möchte. Eine Fahrt kostet pro Person schlappe 68 Franken. Ach egal, die Schweiz ist halt teuer und jetzt sind wir einmal da. Schließlich erwartet uns ein einmaliges Erlebnis und so schnell kommen wir hier nicht mehr hin. Noch ist wenig los und wir können in den nächsten roten Waggon einsteigen. Um die extremen Steigungen auszugleichen, sind die Sitzbanken entsprechend geneigt angeordnet, sodass man nicht von ihnen runterrutscht. Natürlich sichern wir uns einen Platz ganz vorne bei der Lokführerin, die sich sogar persönlich den Passagieren vorstellt und Anweisungen erteilt. Nach oben gehts in 30 Minuten, runter benötigt der Zug gut 10 Minuten mehr. Im Vergleich zu den Wanderern, die wir auf den Bergpfaden sehen, aber deutlich schneller… Der spektakuläre Blick auf Luzern, den Vierwaldstätter See und die umliegenden Schweitzer Alpen wird leider heute von einigen dichten Wolken getrübt und es ist ganz schön kalt, obwohl wir unsere Motorradkleidung anhaben. Trotzdem, die 120 Euro haben wir gut investiert, das findet nun auch mein Mann.

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  • Steffi

    Liebe Claudi,

    Herzlichen Glückwunsch zu deinem tollen Reise-Blog. Der Bericht über die Toskana hat mir besonders gefallen…. In meinem Kopf sind die Bilder von einer eigenen schon fast vergessenen Reise in die Toskana wieder entstanden und ich habe Lust bekommen, sofort wieder in die traumhafte Region zu reisen.
    Ich freue mich, bald mal wieder etwas von dir zu lesen.
    Bis bald Steffi

    • Liebe Steffi, vielen Dank für Deinen positiven Kommentar! Es ist natürlich ganz besonders schön für mich, wenn meine Reportagen insbesondere das geistige Auge ansprechen und Bilder im Kopf entstehen lassen. Und wenn dann sogar der Wunsch danach ausgelöst wird, selbst das beschriebene Ziel zu bereisen – perfekt. Denn diesen Anreiz soll ein Blog ja unter anderem bieten. Ich bleibe dran. Liebe Grüße Claudia

  • Ursula Neuhaus

    Hallo Claudia, wieder ein toller Bericht. Gerade am Samstag war Andy Borg im Fernsehen von Luzern, da wurde die längste Zahnradbahn vorgestellt, mit toller
    Aussicht. Wir beide sind sehr stolz auf Dich. Liebe Grüße Deine Eltern.

  • Katja Steffan

    Ich beneide Dich für Deine vielen und interessanten Reisen. Danke, dass Du Deine Eindrücke in Deinem Blog mit uns teilst und wir daran teilhaben dürfen. Mach weiter so. Liebe Grüße Katja

    • Danke Katja, das werde ich. Die positiven Rückmeldungen motivieren mich auf jeden Fall für weitere Reportagen! Auch wenn neben Job und Studium momentan wenig Zeit hierfür bleibt.