Im Zweifel für den freien Fall

30 Nov

Samstagmorgen. Seit Tagen beschäftige ich mich gedanklich mit dem bevorstehenden Tandemsprung. Soll ich mich wirklich noch einmal in dieses Abenteuer stürzen? Das letzte Mal ist mehr als zwanzig Jahre her und (spät-)jugendlichem Leichtsinn zuzuschreiben. Vielleicht regnet es ja, überlege ich. Oder ich bekomme kurzfristig einen Magen-Darm-Infekt. Aber bis auf das durch die steigende Nervosität ausgelöste flaue Gefühl im Bauch geht es mir an diesem Samstagmorgen bestens. Obwohl oder vielleicht gerade weil ich bereits zweimal gesprungen bin, zweifel ich bis zur Ankunft auf dem Flugplatz Dahlemer Binz in der Eifel an meinem Vorhaben. Aber auch meine acht mutigen Kolleginnen und Kollegen, die sich zum Tandemsprung angemeldet haben, sind aufgeregt. Doch die Vorfreude steigt, als wir uns vor Ort treffen.

Perfekte Bedingungen für einen Fallschirmsprung

Das Wetter spielt mit, nur wenige hohe Schleierwolken sind am Himmel zu sehen. In der Halle halten sich bereits etliche andere Personen auf, die gewillt sind, freiwillig aus einem Flugzeug zu springen. Weil so viel los ist, müssen wir leider auch noch warten, bis wir unsere Einweisung erhalten. Die geht dann ziemlich schnell. Nach und nach werden wir von unseren Tandemmastern – so heißen die erfahrenen Springer, die eine entsprechende Lizenz haben – aufgerufen, erhalten einen winddichten Overall und eine kurze Demo über die Körperhaltung, die wir beim Sprung in die Tiefe einzunehmen haben. Ein paar Hinweise über den Ablauf – das war es dann auch.

Ein großartiges Glücksgefühl

Bevor wir den Flieger besteigen, werden noch fleißig Fotos geschossen. Wir alle wollen unseren Mut von der Kamera dokumentieren lassen. Gemeinsam mit meinen vier Kollegen geht es nun auf rund 4000 Meter in die Höhe. Als wir oben sind, ist keine Zeit mehr, nachzudenken. Luke auf, an die Kante rutschen und raus geht es. Das einzige Wort, das mir jetzt noch durch den Kopf schießt, ist Vertrauen. Kaum bin ich im freien Fall, spüre ich das wahnsinnige Glücksgefühl. Grinsend schaue ich den Kameramann an, der meinen Sprung filmt, und halte die Daumen hoch. Die 200 km/h, mit der wir für etwa 60 Sekunden der Erde entgegen rasen, merke ich nicht. Plötzlich ein kräftiger Ruck – der Fallschirm geht auf. Von jetzt an schwebe ich mit meinem Master durch die Lüfte und genieße die Aussicht auf die herbstliche Eifel. Dann eine sanfte Landung auf dem Allerwertesten, und schon ist alles vorbei. Schade – denn es war großartig! Auch alle anderen sind begeistert und meine vorherigen Bedenken wie weggeblasen. Das war definitiv nicht mein letzter Sprung!